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Trauerfeier für Frederik Egold am 11. 2. 2005 in Himbach, Ansprache Pfarrer Klaus Opper
Gedicht: Xokomoschtletl (Laura Ute Melzer) Zur Trauerfeier für Frederik Egold sind wir hier zusammengekommen im Namen unseres Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen Nun ist auch noch, wie wir es kommen sahen, ein fast 20 Jahre lang in undurchdringlicher Dunkelheit eingeschlossenes Lebenslicht erloschen. Aber das Licht der Sehnsucht nach Liebe, Frieden und Harmonie, welches Frederiks Herz erhellte sowie erwärmte und das er ausstrahlte, leuchtet weiter. Von ihm erleuchtet, sah er Wesentliches klarer als wir Sehenden. Darum glauben wir auch noch in der Nacht der Trauer um Frederik an das Licht. Gott, der Schöpfer des Lebens und Lichtes, kann und will ihn durch das finstere Tal des Todes zum Licht eines neuen, des ewigen Lebens führen. Frederik darf es schauen und in ihm für immer zuhause sein. Psalmworte wollen uns in diesem Vertrauen bestärken: Eingangswort: „Der Herr, mein Gott, macht meine Finsternis licht.” „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?” „Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.” So lautete der Konfirmationsspruch, den ich Frederik mit auf seinen Weg gab. Eingangsgebet: Nun „leucht uns, Herr, du ewiges Licht, da irdisch Licht vergangen. Das Licht erlosch in Nacht und Not, im Tod verging das Leben. Du aber bist und bleibst doch Gott und willst nur Leben geben. Und treibst du uns gleich tief hinab, als wolltest du uns verderben, du führst uns doch durch Tod und Grab ins Leben aus dem Sterben. Lass uns getrost im Glauben gehen! Dein Weg ist nie zu Ende. Wir sterben und wir auferstehen, Herr, nur in deine Hände. Du wahres Licht, verlass uns nicht! Lass leuchten, Herr, dein Angesicht!” Hilf den Angehörigen, von ihrem Verstorbenen in Liebe Abschied zu nehmen. Lass sie Trost und Frieden finden. Amen
Schriftlesung: Verheißungen des Lichtes (Psalm 23,4, Jesaja 60,19+20 und Joh.-Ev. 8,12+12,46)
Lied „Der Mond ist aufgegangen”, Strophen 1+4+5 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn, Jesus Christus! Amen
Lebenslauf: Frederik Egold, von dem wir hier Abschied nehmen, war geboren am 28. Oktober 1977 in Hanau. Im Alter von 7 Jahren begann seine unaufhaltsam fortschreitende Erblindung. Deshalb besuchte er von 1987 bis 1995 die Blindenschule in Friedberg. In den Jahren 1989 bis 2003 lernte und arbeitete Frederik Egold unter Anleitung des Malers und Bildhauers Josef Bauer in der Bildhauerwerkstatt der Stiftung Blindenanstalt in Frankfurt am Main, zunächst während der Freizeit und nach seiner Entlassung aus der Blindenschule ganztägig. Zuletzt widmete er sich dem künstlerischen Schaffen ausschließlich im eigenen Atelier hier in Himbach. Seine Steinskulpturen und Klangobjekte wur¬den an zahlreichen Orten im In- und Ausland, z.T. auch gemeinsam mit Werken anderer Künstler, ausgestellt. Frederiks Mehrfachbehinderung infolge ei¬ner unheilbaren, die Nervenzellen zerstörenden Stoffwechselerkrankung führte dazu, dass er schließlich seit etwa 2 Jahren ganz auf Hilfe und Pflege vonseiten der Angehörigen, in erster Linie seiner Mutter, angewiesen war. Sie wurden von 2 Betreuerinnen und einem Betreuer im Rahmen des Familien-entlastenden Dienstes der Lebenshilfe sowie von Freunden und Bekannten unterstützt. Der Ausbruch einer schweren Lungenentzündung erforderte seit dem 31. Dezember die Durchführung lebenserhaltender Maßnahmen im Mathilden-Hospital Büdingen. Dort starb Frederik Egold nach vorübergehender Besserung am 7. Februar im Alter von 27 Jahren und 3 Monaten. Der Verstorbene hinterlässt seine Eltern, seinen Bruder und seine Schwägerin, Tanten und Onkel, Cousins und Cousinen sowie alle weiteren Verwandten, Freunde und Bekannten. Johannes 11,25: Jesus Christus spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.” Liebe Familie Egold, liebe Angehörige unseres Verstorbenen, liebe Trauergemeinde! „Ich bin die Auferstehung und das Leben, " sagt Jesus Marta, der Schwester seines verstorbenen Freundes Lazarus, und uns allen. Er stellt klar, dass die Hoffnung auf eine Auferstehung der Toten und neues Leben nicht erst am Ende aller Tage erfüllt, sondern bereits jetzt in seiner Person wirksam wird und verkörpert ist. Jesus holt uns ab in den Krankheits- und Trauergeschichten, die kein Arzt zu einem guten Ausgang wenden kann. Sie wussten, liebe Familie Egold, dass die NCL-Erkrankung Ihres Sohnes und des Bruders in naher Zukunft zu seinem Tod führen würde. Aber weder diese traurige Aussicht noch der nicht zu gewinnende und jetzt endgültig verlo¬rene Kampf gegen ein allzu frühes Sterben dürfen uns verschleiern, dass Fred¬erik sich auf dem Weg zum Leben befand und eigentlich nach wie vor befindet. Auf ihm nimmt Jesus ihn mit. Er bringt in Verbindung mit Gott, der Quelle, dem Herrn, Liebhaber und Ziel allen Lebens. Dieses zwar unsichtbare, aber unzerreißbare Band knüpfen der Vater im Himmel und dessen Sohn, Jesus Christus, kraft des Glaubens, mag er noch so klein wie ein Senfkorn oder unbestimmt wie ein bloßes Gefühl sein. Solchen Glauben empfand Frederik im fast mystischen Erleben eines Kirchenraumes, erst recht mit Orgelmusik, während seiner Konfirmandenzeit, wenn wir uns beim Abendmahl am Tisch des Herrn die Hände reichten, und nicht zuletzt in seiner unbändigen, etwa in hemmungslosem Lachen oder Quatsch-Machen sich äußernden Liebe zum Leben. Ihm öffnete er weit alle Sinne, die ihm geblieben und nach dem Verlust des Augenlichtes umso stärker ausgebildet waren. Sie ließen ihn spüren, wie vielfältig, reich und kostbar das Leben ist. Es darf in keiner Weise von Menschen zerstört werden. Frederik sehnte sich mit allen Fasern seines Herzens nach einer heilen Welt, in der nichts verletzt oder vernichtet wird, nichts verloren geht oder stirbt, in der Frieden, Gerechtigkeit und Liebe, ja, ewige Harmonie regieren. Diese Sehnsucht ließ das eigene Leiden mit den ihm schmerzlich gezogenen Grenzen ein Stück weit vergessen. Sie verband sich mit seiner blühenden Phantasie, die aus ungeahnten, über unsere sichtbare Wirklichkeit hinausgehenden Tiefen und Räumen aufstieg. Für ihn war das vor allem die Welt der Indianer und Cowboys, der Ritter und urtümlichen Fabelwesen. Sie schaute er mit seinem inneren Auge und sie fand ihren Ausdruck in seinem künstlerischen Schaffen. Frederik wünschte seine Freude am Leben allen Menschen und Kreaturen. Kein Wunder, dass er weder Hass noch bösartige Gedanken kannte. Seine Seele empfand wie ein Kind, obwohl sein gebrechlicher Leib und weiser Geist ihn alt erscheinen ließen. Die zeitlos gültigen Worte des letzten lebenden Aztekenhäuptlings, seines Blutsbruders, umschreiben, was auch Frederik als Sinn seines, obgleich schwer behinderten Lebens erkannt hatte: „Ich komme in Demut mit Liebe im Herzen und Friede in den Gedanken, um Harmonie auf Mutter Erde zu bringen.”Mit diesem Selbstverständnis eröffnete Frederik, der nicht mit den Augen, wohl aber mit seinem Herzen sehen konnte, seinen Angehörigen und anderen eine menschlichere, respektvollere Sicht des Lebens in dessen unterschiedlichsten Ausprägungen. Wir können darüber nur staunen. Dabei verfügte Frederik lediglich über ein äußerst eingeschränktes Sprachvermögen mit Worten. Ebenso blieb ihm die verstandesmäßige Verarbeitung des Erlebten versagt. Beängstigendem und Bedrohlichem war er hilflos ausgeliefert. Es löste heftige Gefühlsreaktionen aus, verbunden mit Alpträumen und epileptischen Anfällen, aber auch mit ekstatischer Arbeitswut und hektischem Hervorstoßen des von ihm nicht in Worte zu Fassenden. Seine Gedanken und Gefühle waren viel schneller als seine Zunge, verschlungener, tiefer und weiter als sein sprachliches Ausdrucksvermögen. Wir danken Gott für die entsprechende Begabung und den Menschen, die ihn geduldig anleiteten, dass Frederik sich andere, nämlich künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten erwerben konnte.Derart das Beste aus seinem kurzen Leben zu machen, dessen Grenzen anzunehmen und sich von Blindheit, Leiden und schwerster Behinderung die Freude am Leben nicht verderben zu lassen, das nötigt Hochachtung ab. Sie lässt erahnen, dass der Wert und die Würde eines Menschenlebens nicht mit den Maßstäben der Gesundheit und des von uns üblicherweise Geschätzten zu messen sind. Was ein Mensch ist und bedeutet, hängt vielmehr an unserer Beziehung zu ihm. Da aber auch sie nie ungetrübt, mitunter für das Wesentliche blind bleibt, bildet letzten Endes allein die von Gott geschaffene Gemeinschaft und Verbindung mit uns das unerschütterliche Fundament der Menschenwürde. Unser Schöpfer und Vater im Himmel hat auch Frederik gewollt, ihn durch seine Eltern ins Leben gerufen und mit dem Leben beschenkt. Es sollte sich, zwar in unüberwindbaren Grenzen, wohl aber geachtet und geliebt in seiner ganzen Tiefe und Bedeutsamkeit entfalten. Jedenfalls meinte Jesus auch Frederik, als er zu Marta sprach: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.” Jesus ist am Kreuz gestorben, um uns mit Gott zu versöhnen, die Verbindung mit ihm zu besiegeln. Der Tod kann den gekreuzigten und am Ostermorgen auferstandenen Herrn nicht daran hindern, als der lebendige Retter und Heiland mit Gottes Möglichkeiten Frederik auch jetzt noch auf den Weg zum erfüllten -und ewigen Leben zu führen. Christus kapituliert weder vor Krankheit und Behinderung noch vor der Macht des Todes. Stärker als sie ist die Liebe. Sie allein hilft leben. Sie verschafft dem Leben einen Raum, in dem es sich entfalten kann. Denn die Liebe kommt von Gott, Christus verbürgt sie und Gott wirkt durch sie. Er hat, wie der Apostel Paulus schreibt, „was schwach ist vor der Welt, erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist.” Liebe durfte Frederik in Form menschlicher Fürsorge, Hilfe und treuer Zuwendung erfahren, zuallererst von Ihnen, liebe Frau Egold, als Mutter und von seiner Familie. Dafür danken wir Gott auch in dieser Abschiedsstunde. Seine Liebe verkörpert Jesus Christus. Sie will und kann in einem neuen Leben bei dem Vater im Himmel vollenden, was für Frederik hier lediglich unerfüllter, wenn auch beseelender Inhalt seiner Sehnsucht war. Gottes Liebe wird auch Ihnen, liebe Angehörige, die Sie weitgehend nur für Frederik lebten, helfen, einen neuen Inhalt und Sinn Ihres Lebens zu finden sowie sich mit Ihrem verstorbenen Sohn und Bruder weiterhin eng verbunden zu wissen, aber auch sein Vermächtnis zu bewahren, Ihn und uns alle rückt Jesus Christus in das klare Licht seiner Liebe- und verheißungsvollen Botschaft: Text. Amen. Gebet: Ewiger Gott und Vater. Hab Dank für die Hoffnung, welche dein Sohn uns gebracht hat. Lass sie auch angesichts des Todes Bestand haben und unsere Herzen erfüllen. Wir danken dir für Frederiks Leben unter uns. Es ist hier zwar zu Ende, aber womit du uns durch ihn beschenkt hast, mit der Sicht eines menschenwürdigen Lebens in aller Bescheidenheit, gestaltet von Harmonie und Liebe, das wirkt weiter. Lass das Andenken an den Verstorbenen gesegnet sein. Und hilf, auch die Erinnerung an das schwere Leiden zu ertragen. Es konnte Frederik erstaunlicherweise die Freude am Leben nicht verderben. Wie er es trotz aller Einschränkungen liebte, so lass ihn nun für immer aufgehoben sein in deiner Liebe, für die wir dir von ganzem Herzen danken. Sie trug Frederik auch bereits hier, indem seine Angehörigen und Freunde Werkzeuge deiner Liebe wurden. Schenke ihm nun das von Christus verheißene neue Leben im Licht ewiger Freude und wunderbarer Vollendung. Vergib, was immer das Licht deiner Liebe verdunkelte. Stärke die Angehörigen und uns im Glauben an den Sieg des Lebens über alle lebensfeindlichen Mächte durch die Zusage deines Sohnes: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.” Herr Jesus Christus, nimm auch uns, mögen wir noch so unauffällig leben, mit auf dem Weg zum Leben. „Lehre uns alle, dass wir sterben müssen, dass Brücken brechen, denen wir vertraut; und weise uns, eh wir gehen müssen, zum Leben die Brücke, die du uns gebaut.” Sie heißt Jesus Christus. Amen Gedicht: „Die Unauffälligen” (Laura Ute Melzer)
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