frederik egold memorial

Letzter Gruß an Frederik

Dr. rer. nat. Ralf Streum, Limeshain-Himbach,
(Freund, Kurator und Facilitator von Frederik)


Langsam und gleichmäßig bewegen sich die Handflächen über den rohen, noch unfertigen Stein. Tastend wird Größe und Umfang, Form und Gestalt erkannt.
Milchiger, seifenartiger Staub setzt sich in die Poren der Haut, macht sie glatt, geschmeidig und sensibel für jenen Dialog zwischen Künstler und Stein der den Prozess des Werdens und der Verwandlung vom Rohling zum Kunstwerk einleitet.
Liebe Familie Egold, verehrte Trauergäste,
mit diesen Worten eröffnete ich eine der letzten Kunstausstellungen des Bildhauers und Objektkünstlers Frederik Egold.
Frederik Egold ist tot!
Sein Karma hat in diesem Körper seine Endlichkeit erfahren.

Liebe Familie Egold Ihr habt einen Sohn, einen Bruder einen Schwager und Neffen verloren.

Die Lebenshilfe Wetterau betrauert den Verlust eines liebenswerten Menschen für den sie im Rahmen des FED betreuend tätig war.

Der Bundesverband Bildender Künstler Deutschland, Kreisverband Frankfurt am Main verlor einen seiner profiliertesten Künstler.

Ich beklage den Verlust eines Freundes, und bin darüber sehr traurig !
Wir verloren einen Menschen, der uns zeigte das Lebensfreude und Lust am Dasein unabhängig vom Zustand des Körpers sein kann.

Frederik liebte das Leben, ein gutes Essen in einem guten Restaurant, schöne Frauen und Musik die er nachsingen konnte.
Das Leben war für Frederik kein Kampf gegen eine Behinderung, sondern der gelungene Versuch ein Anderssein zur Normalität zu machen.
Frederik Egold war blind und trotzdem wollte er seiner Neigung folgend schöpferisch mit seinen Händen tätig werden.

Der Bildhauer und Maler Josef Bauer wurde sein Lehrer. Der ihm im Atelier der Stiftung Blindenanstalt Frankfurt am Main die Kunst der Skulpturtechnik am Steatit lehrte.

Dieses Gestein, in seiner Weichheit und Wärme war charaktertypisch für Frederik Egold. Ihm entlockte er mittels ästhetischer Aktivität, jene feinfühlige Sensibilität, die in ihm selbst inne wohnte.

In diesem Genre erlangte er höchste Profession.
Seine Schaffenskraft war unermesslich für die kurze Zeit in der er als Künstler arbeiten konnte.

Weit über 500 Einzelwerke zeugen von jener ästhetischen Obsession von der Frederik besessen war.

Über 35 Einzelausstellungen, die ihn durch ganz Europa führten belegen seine internationale Reputation.

Frederik war ein Künstler für den ästhetische Aktivität keine Pflicht oder Kür war, sondern Lebens-Ethos, erfüllt von einer Liebe zum Sujet, und einer Affinität zu den Menschen die seiner Kunst gewahr wurden.

Für Ihn war Kunstschaffen nicht nur die bloße Erfüllung von L' Art pour L' Art, sondern eine >Art Brut<, die im Kontext der Menschen und ihrer Zeit zu stehen hatte.

Der von ihm gewählte Gestaltungstypus seiner Skulpturen von einer " Durchdringung des Körpers mit Raum", widerspiegelt sich nicht nur in seinen Werken, sondern wurde zum Duktus seines Lebens.Durchdringung nicht verstanden in einer analytisch- kritischen Verengung, sondern als geistig-tolerante Weite und als offener Kosmos seiner Seele.Einer Offenheit, die den Umgang mit ihm immer zu einem Erlebnis machte.So schenke er mir einmal einen kleinen beschnitzten Speckstein, ein Wassertier darstellend mit den Worten:der ist für dein Boot bestimmt, er ist extra so klein, damit das Boot nicht kentert, denn dann hätte ich keinen Betreuer mehr.Wir lachten beide!Lebenswitz und Alltagsironie waren ihm nicht fremd.So konnte er mit mir „OFC Kickers Lieder” intonieren, und freute sich gleichzeitig wenn die Eintracht Frankfurt ein Spiel gewann.Was mir, als alten Kickers Fan, nicht unbedingt gefiel.Frederik besaß eine Gnade, die in vielen Menschen mit Behinderung innewohnt.Toleranz zum Alltäglichen und Gleichzeit die feste Bewusstheit der Existenz einer anderen „Wirklichkeit”, die bedeutender ist als die in der wir leben.Mit seiner Kunst wollte er ein Brückenbauer sein zu jener anderen Wirklichkeit, denn er dachte mehr als man vermutet und er sah mehr als man ihm zeigte.Liebe Familie Egold, verehrte Trauergäste,ich beendete die Eröffnungsvorträge für Frederiks Ausstellungen meistens mit den Worten: „meine Damen und Herren schauen sie sich seine Kunstwerke an, durchdringen sie den Körper mit Raum, und Sie werden feststellen wie blind ein Sehender sein kann und wie sehend ein vermeintlich Blinder ist.”Denn wie sagte es uns der Kleine Prinz im gleichnamigen Roman von Antoine de Saint Exupery, „... man sieht nur mit dem Herzen gut.... -Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar...”Lieber Frederik, du und dein Werk werden lange in unseren Herzen sein.“
Dr. rer. nat. Ralf Streum, Limeshain-Himbach, 11.02. 2005
(Freund, Kurator und Facilitator von Frederik)
 

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